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„Das Konzert“ klingt seinem Plot nach zu urteilen nach seichter Unterhaltung — einem netten Abend, ohne groß nachzudenken; ein Abend, den man halbwegs genießt, aber schnell vergisst.
Dieser Film ist anders!
Dass die Franzosen das wohl einzige Volk der Welt sind, die Filme Charmant und mit Herz gestalten können, ist für viele bereits klar. Man erinnere sich nur an „die fabelhafte Welt der Amélie“ oder „die Kinder des Monsieur Mathieu“ — beides Filme, in denen die musikalische Untermalung eine extrem wichtige Rolle spielte.
Bei „Amélie“ war es Yann Tiersen, der dem Film nicht zuletzt einen unvergleichbaren Stempel aufdrückte; bei „Monsieur Mathieu“ war es ein grandioser Kinderchor, der bspw. mit dem Titel „Vois sur ton chemin“ eine Stimmung herüberbrachte, wie es kaum andere Filme schaffen.
Dies ist die unvergleichbare Qualität des französischen Filmes.
„Das Konzert“ steht beiden Filmen im Prinzip in nichts nach. Dennoch scheint der Erfolg dieses Mal nicht die Massen zu erreichen. Vielleicht liegt es daran, dass Tschaikowski doch noch eine andere Liga ist — sehr komplex, keine klassische U-Musik.
Dennoch ist es bemerkenswert, wie der Zuschauer in den Bann gezogen wird: Es beginnt relativ seicht: Das „drollige“ Alt-Orchester rund um den Dirigenten Andreï Filipov lebt weitestgehend verarmt im modernen Russland, bis er die einzigartige Chance sieht, die große musikalische Klasse der alten Zeiten auferstehen zu lassen.
Es wechseln sich Tragik mit Humor gekonnt ab, wobei der Film nie ins Lächerliche abrutscht — keine schrillen Tanzorgien, wie aus Hollywood gewohnt. Der Film ist eher ein Werk ruhigerer Töne.
Die Schauspieler performen die Musikeinlagen erstklassig, so dass man meint, hier seien echte Musiker als Schauspieler unterwegs. Eine wunderschöne Mélanie Laurent reißt in jedem ihrer Auftritte die volle Aufmerksamkeit des Betrachters an sich, besser noch als in „Inglourious Basterds“.
Das eigentliche Konzert am Ende des Films wird übrigens nicht nach 1-2 Minuten „weggeschnitten“ und vom kitschigen Happy-End gekillt. Der rumänisch-französische Regisseur (Radu Mihaileanu) nimmt sich für diesen zentralen Aspekt des Films Zeit. Und die Zeit überdauert bis zum Abspann.
Was die Klischees angeht: Sie werden bedient. Absichtlich. So ist das erste, was die beiden russischen Juden des Orchesters machen, als sie in Paris sind: Kaviar verkaufen.
Das alles wirkt intelligent und charmant, niemals beleidigend oder billig. Es werden Juden, Kommunisten, Russen, Franzosen, Oligarchen, Zigeuner, etc. stets respektvoll behandelt, wenngleich hier jeder einstecken muss.
Da bleibt mir nur eines, nämlich den Hut zu ziehen: Chapeau! Es gibt viel zu wenige Filme, die heute noch klassische Werte vermitteln, ohne belehrend, langweilig oder altklug zu wirken. Danke für diesen Film!
6 mal bearbeitet, zuletzt 5. Jan. 2011, 03:39 Uhr
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