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Über die Handlung werde ich in dieser Rezension nicht viele Worte verlieren, die steht im Plot und ist in der Tat sehr schlicht gehalten, weshalb der Film von mir auch „nur“ 9 der 10 Punkte erhält.
Kommen wir aber zu dem, was „The American“ auszeichnet: Die Ruhe und Bildgewalt etlicher Details.
Ähnlich wie in Jim Jarmuschs „The Limits of Control“, wird der Zuschauer mit einer Person konfrontiert, von der er rein gar nichts weiß. — Eigentlich erfährt man auch im Weiteren nicht viel mehr über den Protagonisten; aber man kann sein Handeln und die Situationen in einer Schärfe beurteilen, die nur wenige Filme schaffen.
So scheint der Protagonist und Auftragskiller anfangs alles unter Kontrolle zu haben. Diese nimmt aber mehr und mehr ab und lässt George Clooney unsicherer und planloser agieren. Die Bilder werden verschwommener, die Makroaufnahmen eindeutiger: Der letzte „Handwerker“ wird schwach, ersetzbar, verzichtbar.
Der Film braucht nicht viele Worte, um mitzuteilen, was in Jack respektive Edward, dem Auftragskiller, vorgeht. Jeder Gang, jede Fahrt, jeder Gesichtszug — alles wird eingefangen. Ästhetik in Vollendung!
Die Musik — produziert von Herbert Grönemeyer — ist ebenfalls grandios in Szene gesetzt: Kein pompöses Streichorchester mit nervösem Staccato bei den einigen wenigen Verfolgungsjagden; kein Subwoofer, der fortwährend ein unwohles Gefühl in der Magengrube schaffen soll. Dezente Klavier-Tonfolgen und unterschwellige Ausflüge in die großartige Kulturhistorie Italiens: Ich denke da an die sehr leise Hintergrundmusik in einem der Gespräche mit dem Pastor — „Un bel dì Vedremo“ aus Madama Butterfly (Puccini); oder die kurze Sequenz aus Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“.
Für alle, die jetzt rumgröhlen, dass „We No Speak Americano“ ja wohl kaum etwas mit italienischer Kultur zu tun habe: Es handelt sich in der Café-Szene nicht um selbigen Trash-Mainstream aus den Charts, sondern um das wesentlich ältere „Tu Vuò Fà L'Americano“ von Renato Carosone.
Überhaupt wird der Zuschauer zum Aufpassen gedrängt! Wer nicht aufpasst und sich gelangweilt fühlt, wird den Film nicht verstehen. Denn die Details wirken extrem metaphorisch unterstützend, weshalb einem bspw. ein Schmetterling auffallen sollte, der einer aussterbenden Art angehört. Völlig eindeutig, worauf diese Metapher anspielt.
Es gibt eine Menge zu entdecken. Ich warne davor, den Film als einschläfernden Pseudo-Thriller abzutun. Mein Vorredner sprach davon, dass er sich jetzt wieder anhören müsse, er habe den Film nicht verstanden. Dies scheint mir in der Tat der Fall zu sein.
Allerdings besitze ich nicht die Arroganz zu sagen, dass es schlimm sei, den Film nicht zu verstehen. Man muss sich darauf einlassen. Anstrengend ist der Film in jeder Hinsicht. Für mich allerdings anstrengend inspirierend!
5 mal bearbeitet, zuletzt 20. Jan. 2011, 02:39 Uhr
13 von 13 Benutzern fanden diese Rezension hilfreich.
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