US-Fernsehen: Das System erklärt
Wie gucken die US-Amerikaner eigentlich TV?
Bevor wir uns doch mit den genannten Punkten auseinandersetzen, sei noch kurz darauf hingewiesen, dass der Sinn dieses Blogs vor allem ist, euch die Unterschiede darzustellen. Zudem kann ich keine vollständige Korrektheit garantieren. Ich habe das Thema nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, lebe aber nicht in den USA. Sollten euch Fehler auffallen, wäre ich über jeden Kommentar oder Hinweis per PN erfreut. Legen wir aber endlich mal los.
Geschichte
Fernsehen ist für die Amerikaner schon immer etwas besonders wichtiges gewesen. Als Familientreffpunkt geschätzt und doch immer stark reguliert, findet man in praktisch jedem US-Haushalt mindestens einen, aber meist auch mehrere Fernseher. Doch bevor es soweit kam, müssen wir etwas zurückgreifen - und zwar in das Jahr 1928, wo es bereits den ersten US-Fernsehsender gab. Natürlich kaum verbreitet und dieses Datum bezieht sich eher auf den Beginn vom Beginn. Denn hierbei experimentierte man nur mit einem Sender in einer Washingtoner Vorstadt, auf dem simple Silhouetten übertragen wurden. Aber während man noch am Fernsehen herumexperimentierte, brach der 2. Weltkrieg aus, was dazu führte, dass die Forschung in dem Bereich stark zurückging. Zu dem Zeitpunkt gab es auch noch keinen TV-Standard. Und so kam es 1941 dazu, dass das National Television System Committee (NTSC - die Abkürzung könnte euch bekannt vorkommen) den ersten TV-Standard für die USA festlegte. Basierend auf 525 Bildzeilen und diversen weiteren technischen Details gab es nun erstmals einen einheitlichen Standard, an dem sich die Hersteller orientieren konnten und so ging es nach dem Ende des Krieges auch direkt ans Eingemachte.
Und auch bald kamen die ersten Sender aufs Programm. Diese mussten aber vorher eine Sendelizenz bei der FCC (Federal Communications Commission - Behörde für Kommunikationswege) beantragen. Die FCC wurde regelrecht überflutet und musste zeitweise Anträgestopps verhängen, sodass es zu Beginn nur wenige Sender gab. So gab es zum Beispiel zur ersten "regulären" TV Saison 1946/1947 nur ganze zwei Sender: NBC und DMN (DuMont Television Network). Während NBC noch heute lebt, ist DMN bereits in den 90er-Jahren aufgelöst worden. In den 1950er verteilte die FCC viele Lizenzen, was dem Medium Fernsehen einen erheblichen Schub verschaffte.
In den 1980er Jahren legte vor allem das Pay-TV in den USA stark zu und erfreute sich einem hohem Beliebtheitsgrad. Gleichzeitig wurde Kabelfernsehen immer weiter verbreitet und auch die Infomercials (Dauerwerbesendungen) wurden legalisiert. Auch begann der Wechsel auf digitales Fernsehen und auch die Einführung von HDTV erfolgte bereits in den 1990er Jahren (!).
Der erste Sender dort hieß WRAL-TV (das HD-Pendant dementsprechend WRAL-HD), aber so richtig kam HDTV erst 1998 in Fahrt und wurde dann in der ganzen Nation verbreitet. Analoges Fernsehen wurde übrigens 2009 per Gesetz abgeschaltet. Die Qualität des US-Fernsehens erlebte auch wie in Deutschland einen starken Abbau, da gerade durch Reality-Sendungen viel Geld gespart werden konnte. Trotz allem fließt noch sehr viel Geld ins Medium, was wir uns aber später etwas genauer anschauen werden.Wie sieht es heute aus?
Nachdem wir uns jetzt irgendwie durch den Geschichtsunterricht gequält haben, gehen wir mal ans Praktische ran. Als US-Amerikaner sieht man sich heute vielen Wegen ausgesetzt, Fernsehen zu schauen. Über Internet, über Kabel, über Satellit oder über die gute alte Antenne. Aber dennoch ist eins immer gleich: wer den vollen Spaß haben will, muss zahlen. In den USA ist es z.B. normal, dass man sein Internet, Kabelfernsehen und Telefon vom gleichen Anbieter bezieht, sodass man wie in Deutschland auch für den Kabelanschluss zahlen muss. Aber im Gegensatz zum deutschen Fernsehen bestehen trotz allem sehr krasse Unterschiede.
So zum Beispiel bei der Auswahl der Fernsehsender. Da es für die großen Networks - das sind einfach die Sender aus dem Blogbild, die in den ganzen USA aktiv sind - viel zu teuer ist, jede Stadt über Kabel zu versorgen, wird oft auf lokale Sender zugegriffen. Das Prinzip ist dabei ganz simpel. NBC schließt einen Vertrag mit einem Lokalsender in Nebraska (das sind immer diese lustigen Abkürzungen wie WXRB usw.). Dieser Sender überträgt zur Prime Time das NBC-Programm und zeigt auch andere NBC-Programme wie die Morning News oder Talk-Shows. Zeitlücken dazwischen werden dann z.B. durch lokale Sendungen oder anderes Filmmaterial gefüllt. Dies hat den Vorteil, dass NBC in diesem Fall enorm Kosten spart, denn die technische Instandhaltung regelt der Lokalsender. Der darf übrigens nicht einfach durchgehend das Bild vom Network übertragen, sondern ist gesetzlich limitiert.
Auch öffentlich-rechtliches Fernsehen, wie wir es kennen, gibt es auf der anderen Seite des Teichs nicht. Zwar gibt es öffentliche Sender wie PBS oder CSPAN (bei uns Phoenix), aber diese sind von dauerhafter Unterfinanzierung geplagt und gelten in den USA eher als langweilig.
Und sonst so?
Nun noch ein paar interessante Fakten. Beginnen wir mit dem eingangs erwähnten Sender "HBO", denn viele wissen gar nicht, warum er so beliebt ist und was ihn so besonders macht.
Kommen wir damit zur eben angesprochenen Zeitverschiebung - was hat das eigentlich zu bedeuten? Auch das System ist gar nicht so einfach, denn man muss sich vorher bewusst sein, dass die USA in ganze vier Zeitzonen unterteilt ist (mit Alaska und Hawaii sind es sogar sechs, aber vernachlässigen wir die mal). Und so stehen die Sender vor dem Problem, die Leute zu versorgen. Auch hier hat man ein System gefunden, welches bisher gut funktioniert. Hier greift man wieder auf die Regionalsender zurück und jetzt erkläre ich euch auch die Angabe "8/7c".
Zuletzt noch die kurze Frage, ob es die US-Amerikaner denn besser haben. Hier bin ich gemischter Meinung, denn hier kommt es extrem auf die Perspektive an. Redet man z.B. von professionellen Serien, kann man nur Ja sagen. US-Serien sind weltweit beliebt und verkaufen sich dementsprechend. Die USA gilt als der Hauptlieferant für Unterhaltungsserien schlechthin und auch in Deutschland wird der Trend zu US-Serien immer größer. Auch das US Pay-TV hat mit Sendern wie "Showtime" oder "HBO" unschlagbare Platzhirsche, die ihr Geld nutzen, um diese Position auch zu halten. Das war auch der Punkt mit dem Geld. In Serienproduktionen fließen Millionen (alleine die erste Staffel der Serie Game of Thrones soll rund 50 Millionen US-Dollar gekostet haben) und auch die Sportübertragungen fallen in die Bilanzen. Andererseits hat auch die USA das Problem mit dem Qualitätsverlust. Reality, Casting und sonstige Low-Budget-Produktionen können nicht gerade mit Qualität werben. Jedoch fahren diese Quotenerfolge ein - wie auch in Deutschland - und so muss man sich im Endeffekt eben auch fragen, woran das liegt. Abschließend überlasse ich euch die Beantwortung der Frage, ich persönlich habe keine feste Position dazu.
Ich könnte nun weiter über das Fernsehen philosophieren, aber das Thema ist einfach so riesig, dass ich irgendwo die Reißleine ziehen muss und das mache ich jetzt. Ich habe hier mal nur an einigen Ecken der Thematik angekratzt und hoffe so, euch ein bisschen etwas vermittelt zu haben. Wenn ihr weitere Fragen oder Hinweise habt, wäre ich über einen Kommentar sehr erfreut!

